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Anders als geplant

Die MAZ berichtet am 09.06.2012:

Die Brieselanger Jochen-Weigert-Straße wurde 2010 gebaut – noch immer zankt man sich über das Projekt

BRIESELANG - Für die Brieselanger Jochen-Weigert-Straße kommt jetzt Plan B zum Zuge. Nachdem das kostenlose Schlichtungsverfahren zwischen der Gemeinde und einer Cottbusser Firma gescheitert ist, will die Kommune mit juristischem Beistand Druck machen. Der Cottbusser Betrieb habe nicht geliefert, was bestellt war – daher könne die Gemeindeverwaltung die Straße nicht abnehmen (MAZ berichtete).

Über Asphaltdicke und den Nachweis, dass die Regenwassermulden funktionieren, streitet man sich nun seit Fertigstellung der Straße. Das war im Juni 2010. Bürgermeister Wilhelm Garn spricht von „klaren Abweichungen von dem, was mal vereinbart war“. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Fall am Ende vor Gericht landet. Die Ermächtigung für den Rechtsweg hat der Rathauschef mit einem Volksvertreterbeschluss vom Oktober 2010 in der Hand.

Dennoch sind sich die Brieselanger Ortspolitiker bei der Bewertung der Angelegenheit keineswegs einig. „Kann es sein, dass die Jochen-Weigert-Straße übermäßig scharf in den Fokus rückt, weil die Bürger dort selbst gebaut haben?“, fragte etwa der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Jütterschenke. Nun, selbst gebaut haben die Anlieger zwar nicht, aber sie hatten sich seinerzeit nach hitzigen Diskussionen und einem Bürgerentscheid selbst eine Vertragsfirma gesucht – eben die Cottbusser – die günstigen Straßenbau versprach. Die vergleichsweise teure Bauvariante, auf der die Gemeinde beharrte, war von den Grundstückseigentümern klar abgelehnt worden.

„Gerade weil sich die Bürger so engagiert haben, muss man darauf achten, dass alles fachgerecht ist“, verteidigte Christian Achilles, Chef der Fraktion Bürger für Brieselang, den Plan, nun einen Rechtsanwalt zu beauftragen.

Er hoffe, dass bei allen Straßen so genau hingeguckt wird, konterte Jütterschenke. Für einen Skandal hält er, dass die Cottbusser Firma bislang keinen Cent für ihre Arbeit gesehen hat, obwohl die Straße seit zwei Jahren genutzt wird. „Wenn die Mängel so schlimm wären, hätte man die Straße sperren müssen“, warf er provokant ein.

Aber von schlimm kann für Hans-Jürgen Dresler keine Rede sein: „Die Straße ist in Ordnung“, sagt der Anwohner, der seinerzeit für den Vertrag mit dem Cottbusser Betrieb Unterschriften gesammelt hat. „Der Asphalt hat die letzten beiden Winter ohne Probleme überstanden“, so der Rentner. Auch Regine Groß, ehemalige Gemeindevertreterin und selbst Anliegerin, sagt: „Wir sind mit der Straße sehr zufrieden. Alle Nachbarn haben ihren Part übernommen, haben Gras gesät und pflegen die Bäume.“

Laut Hans-Jürgen Dresler wurde das Ziel erreicht, kostengünstig zu bauen. 293,49 Euro pro laufendem Meter Straße – das sei halb so viel wie bei anderen Projekten. Er findet es „eine Riesenschweinerei, dass die Firma noch kein Geld gesehen hat“. Das liege aber nicht an den Anwohnern. „Wir haben ja unseren Anteil zu Beginn alle auf ein Sonderkonto eingezahlt“, erinnert er sich. Rund 180 000 Euro sind es für die zwei Bauabschnitte in der Jochen-Weigert-Straße.

Dresler ist überzeugt davon, dass die Jochen-Weigert-Straße 30 Jahre und mehr halten wird. Neulich sei er mal durch den Pausiner Weg gegangen und habe dort einen Querriss entdeckt, erzählt er. Dabei sei dieser Weg auch erst vor ein paar Jahren gebaut worden. „Nach Gemeindeplänen“, fügt er an. (Von Anke Fiebranz)


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