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Gaskraftwerk steht vor dem Aus

Die MAZ berichtet am 09.02.2012:

Gaskraftwerk steht vor dem Aus

Gemeindevertretung von Wustermark lehnt Bebauungsplan für 640-Millionen-Euro-Projekt ab

POTSDAM - Das geplante neue Gaskraftwerk in Wustermark (Havelland) steht vor dem Aus. Die Gemeindevertretung des Ortes hat am Montagabend den Bebauungsplan für das 640 Millionen Euro schwere Projekt mit einer knappen Mehrheit von zehn zu neun Stimmen abgelehnt (MAZ berichtete). Ohne einen solchen Bebauungsplan kann das Kraftwerk mit 1200 Megawatt Leistung aber nicht errichtet werden.

 

Geschäftsführer Folker Siegmund von der Projektgesellschaft Wustermark Energie zeigte sich nach der ablehnenden Entscheidung tief enttäuscht. Offensichtlich will das Unternehmen, hinter dem die Schweizer Advanced Power AG steht, aber noch nicht das Handtuch werfen. „Wir stellen das jetzt nicht sofort ein, wir schauen uns an, was wir für Möglichkeiten haben, und werden dann eine Entscheidung treffen“, sagte Sprecherin Angela Kallabis.

 

Große Enttäuschung herrscht auch bei der Potsdamer Industrie- und Handelskammer (IHK). Es sei „eine große Chance für den weiteren wirtschaftlichen Aufschwung vertan“ worden, klagte Hauptgeschäftsführer René Kohl. Offenbar seien in Wustermark „die Interessen Einzelner über das Gemeinwohl gestellt“ worden.

 

Tatsächlich galt das in Wustermark geplante Gas- und Dampfkraftwerk als ein wesentlicher Baustein für die Energiewende. Im Unterschied zu Braunkohle- oder Atomkraftwerken, die in der sogenannten Grundlast – also praktisch rund um die Uhr – laufen, können Gaskraftwerke flexibel hoch- und auch wieder heruntergefahren werden. Damit sind sie eine ideale Ergänzung für Wind- oder Sonnenstrom, der in den Netzen nur periodisch zur Verfügung steht.

 

Die in Wustermark geplante Kombination von Gas- und Dampfturbinen gilt unter Fachleuten als das Beste, was derzeit bei der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen zu haben ist. Während Kernkraftwerke gerade mal einen Wirkungsgrad von 30 Prozent erreichen und Kohlekraftwerke kaum mehr als 40 Prozent, liegt die Energieausbeute solcher moderner Gaskraftwerke bei 60 Prozent.

 

Die derzeit heftig diskutierte Energiestrategie 2030 des Landes Brandenburg sieht ausdrücklich den Bau zweier Gaskraftwerke in Wustermark und Premnitz (Havelland) vor, da – so die Begründung – „solche hochflexiblen Kraftwerke für den Ausgleich der stark schwankenden erneuerbaren Energie sowie für die Spitzenlast zwingend erforderlich sind“. An dieser Einschätzung halte man weiterhin fest, sagte gestern Steffen Streu, Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Allerdings führe auch an dem Beschluss des Gemeinderats kein Weg vorbei: „Wir respektieren diese Entscheidung.“

 

Das Gaskraftwerk in Wustermark sollte ursprünglich bis 2016 gebaut werden. Umstritten war zuletzt vor allem seine Wirtschaftlichkeit. Das ist tatsächlich ein Schwachpunkt, der auch an anderen Standorten die Suche nach Investoren schwierig macht: Wenn ein Gaskraftwerk nur Sonne und Wind ergänzt, läuft es meistens zu kurze Zeit, um finanziell wirklich rentabel zu sein. (Von Klaus Stark)

 


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