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POLITIK: Auf der Suche nach dem Besten

MAZ vom 24.02.2011

Der Kampf ums Brieselanger Rathaus hat begonnen – mit einer Einladung

BRIESELANG - Eine Einladung geht um in Brieselang. Sie kommt von der unabhängigen Wählervereinigung Bürger für Brieselang (BFB), die im April eine öffentliche Vorstellungsrunde für die Bürgermeisterkandidaten veranstalten will. Konkreter gesagt für die potenziellen Bewerber. „Uns geht es darum, die Brieselanger stärker an der Aufstellung der Kandidaten zu beteiligen“, sagte Lutz Hechtfisch, der Vorsitzende der Wählervereinigung. „Es ist unzureichend, wenn nur zehn oder 20 Parteimitglieder die Kandidaten bestimmen, die chancenreich antreten sollen. Wir wollen eine breite Bürgerbeteiligung ermöglichen“, ergänzte Christian Achilles, der BFB-Fraktionsvorsitzende. Aus Sicht der beiden Kommunalpolitiker gibt es eine Schere zwischen der starken öffentlichen Rolle der Parteien und ihrer geringen Verankerung in der Bürgerschaft.

 „Es geht darum, die beste Person für Brieselang zu finden“, betonte Achilles. Nach der angekündigten Auswahlrunde wollen die Bürger für Brieselang entscheiden, wen sie unterstützen. Dies könne eine der Wählervereinigung nahestehende Person sein, der Kandidat einer Partei oder auch ein ungebundener Bürger, zählte Achilles auf.

Damit bleibt vorerst offen, ob BFB einen eigenen Kandidaten hat. Aber darum gehe es auch nicht in erster Linie, betonte Achilles. „Wir sind eine Gruppe von Brieselanger Bürgern. Uns geht es nicht darum hauptamtliche Posten zu erobern, sondern inhaltliche Positionen durchsetzen“, sagte er. Und: „Auch eine uns nahestehende Person kann nicht damit rechnen, automatisch unterstützt zu werden.“

Es scheint, als wolle BFB Druck machen bei der Kandidatenkür. Denn im Moment haben sich selbst potenzielle Bewerber noch nicht aus der Deckung gewagt. Amtsinhaber Wilhelm Garn (CDU) sagt seit Wochen, er habe noch nicht entschieden, ob er wieder antreten wolle. Allerdings ist Garns Kandidatur wahrscheinlich, wenn man die gestrige Aussage von Brieselangs CDU-Parteichef Michael Koch als Grundlage nimmt. „Ich werde am 11. September definitiv nicht antreten“, erklärte Koch, dessen Name zuvor in Brieselang wiederholt ins Spiel gebracht worden war. Gleichzeitig bezeichnete er Wilhelm Garn als „sehr guten Bürgermeister, dem ich freundschaftlich verbunden bin“. Anfang März will der CDU-Vorstand mit einem Vorschlag in die Öffentlichkeit gehen.

Auch der Vorstellungsrunde der Wählervereinigung BFB, die 2003 Wilhelm Garn unterstützte, werde sich die CDU nicht verweigern. Allerdings findet Koch die BFB-Formulierung über die Parteien unglücklich: „Sie suggeriert, dass die Parteien nicht das Recht haben, Vorschläge zu machen. Das haben sie aber“, so der CDU-Mann.

Bei der SPD legt man auf eine Runde bei Bürger für Brieselang keinen Wert. „Wenn wir einen Kandidaten haben, wird er sich auf einer unabhängigen Veranstaltung vorstellen“, sagte Norbert Jütterschenke, Brieselangs SPD-Chef. „Wir würden gern jemanden aufstellen und sind gerade in der Entscheidungsfindung“, informierte er. Er selbst will nicht antreten. „Es ist eine interessante Aufgabe, aber nicht mein Metier“, so der selbstständige Immobilienmakler. Fakt sei, dass Ottmar Hinz, der SPD-Gegenspieler von Wilhelm Garn im Jahr 2003, im September 2011 nicht zur Verfügung stehe. Jütterschenke bedauerte dies.

„Die Brieselanger Linken werden keinen eigenen Bewerber küren“, erklärte Vorstandsmitglied Gudrun Hentschel. Unabhängig davon lehnen sie die von BFB vorgeschlagene Auswahlrunde ab. „Das klingt ein bisschen nach Vorladung. Jeder kann doch selbst über seinen Kandidaten entscheiden“, findet Gudrun Hentschel.

Der Meinung ist man auch in der Brieselanger FDP. Fraktionschef Rico Löwe bezeichnete es als problematisch, dass die Einladung von einer Organisation komme, die selbst in der Gemeindevertretung sei. „Einem unabhängigen Forum werden wir uns aber nicht verschließen“, erklärte er. Klar ist, dass die FDP einen eigenen Kandidaten haben wird. Namen würden nicht vor April genannt, so Löwe. Sein eigener, aber auch der von Ralf Heimann werden seit längerem gehandelt. Löwe hielt sich bedeckt. „Es kann auch jemand sein, der kein Parteimitglied ist“, machte es der Bundespolizist noch spannender. „Auf alle Fälle sollte es mehr als einen Kandidaten geben, damit die Brieselanger eine echte Wahl haben“, sagte Löwe. (Von Anke Fiebranz)


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