Pressespiegel
Die MAZ berichtet am 22.06.2012
Auf Expansionskurs
Das Logistikzentrum des Internet-Versandhauses Zalando in Brieselang soll weiter wachsen
BRIESELANG - Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske war gestern erstaunt. „Die neuesten Schuhe tragen Sie aber nicht“, witzelte er, als er für ein Foto neben Zalando-Geschäftsführer David Schröder und Logistikchef Thomas Branz posierte. Baaske hatte offenbar erwartet, dass die Chefs einer der größten Internet-Versandhandelsfirmen für Schuhe und Mode immer die neuesten Modelle tragen. Schröder blickte zu seinen Schuhen hinab, dann sagte er: „Zum Glück sind die auf den Bildern nicht zu sehen.“
Vor knapp einem Jahr, am 1. Juli 2011, hatte Zalando sein Logistikzentrum in Brieselang eröffnet. Auf einer Fläche von 30 000 Quadratmetern lagern mehr als eine Million Schuhe und Kleidungsstücke, die von dort aus nach ganz Deutschland und ins europäische Ausland verschickt werden. Schon jetzt verlassen täglich mehrere tausend Pakete die Hallen in Brieselang, „an Spitzentagen erreichen wir sogar eine fünfstellige Zahl“, so David Schröder. Und es sollen noch mehr werden: In den nächsten Jahren will Zalando die Zahl der versendeten Pakete um ein Viertel steigern, unter anderem auch durch den Bau einer Außenstelle in Marquardt (Potsdam).
Erstmals gewährte Zalando gestern auch einen Blick ins Innere des Brieselanger Lagers, dem „größten Schuhschrank Europas“, so David Schröder scherzhaft. Regalweise stapeln sich dort die Schuhkartons. Dabei setzt das Unternehmen auf „bewusst chaotische Lagerhaltung“, wie Standortleiter Leif Sehlbach erklärte: Anstatt alle Artikel einer Marke an einer Stelle zu bündeln, sind die Kartons bunt durcheinander gemischt. So wird verhindert, dass ein Regal komplett leer steht, weil das Modell gerade ausverkauft ist. „Die Lagerauslastung wird dadurch optimiert“, sagt Sehlbach.
900 Mitarbeiter sind derzeit in Brieselang beschäftigte. Auch diese Zahl soll steigen: „Wir möchten noch einmal über 100 Mitarbeiter einstellen“, sagt Thomas Branz. Zalando wolle auch einigen Beschäftigten der insolventen Drogeriemarkt-Kette Schlecker einen neuen Job anbieten, so Branz. Eine entsprechende Anfrage beim Jobcenter des Landkreises bestätigte Dezernent Dennis Granzow. Zalando hatte bereits in der Vergangenheit eng mit dem Jobcenter zusammengearbeitet. Rund zwei Drittel der Beschäftigten in Brieselang sind frühere Hartz-IV-Empfänger.
Auf die Frage, ob das gezahlte Gehalt ausreiche oder ob das Jobcenter die einstigen Langzeitarbeitslosen auch weiterhin finanziell unterstützen muss, sagte David Schröder: „Man kann bei uns sicher nicht so viel verdienen wie in der Automobilbranche“. Die Tatsache, dass viele Mitarbeiter auch nach einem Jahr noch dabei sind, spreche jedoch für ein ordentliches Lohnniveau, so Schröder. Konkrete Zahlen nannte er nicht. Dennis Granzow deutete an, dass „ein Großteil der Beschäftigten derzeit keine aufstockenden Leistungen bekommt“. Er sei sehr froh über die Zusammenarbeit mit Zalando, so der Leiter des Jobcenters. Ursprünglich sei es nur um die Vermittlung von 500 Langzeitarbeitslosen gegangen, doch weil danach weiter Bedarf an Mitarbeitern bestand, habe sich die Firma zur Einstellung weiterer Hartz-IV-Empfänger entschlossen.
Erfreut äußerte sich gestern auch Arbeitsminister Günter Baaske. Er werde Zalando weiter unterstützen. „Zur Not kaufe ich sogar selbst Schuhe bei Ihnen“, sagte er. Bislang sei dafür nämlich seine Frau zuständig.
